fbpx

Blog von Max Rijken, Gewinner des Wettbewerbs Shaping The Office in der Kategorie Design

AM SONNTAG DEN 18. OKTOBER FLIEGE ICH ZUSAMMEN MIT ZWEI WEITEREN DESIGNERN NACH SHANGHAI, UM DORT MIT TIMOTHY JACOB JENSEN EINEN ENTWURF ZU GESTALTEN FÜR EINE LAGERLÖSUNG FÜR DAS BÜRO DER ZUKUNFT. DAZU KÖNNEN WIR IHRE HILFE GEBRAUCHEN! TEILEN SIE IHRE GEDANKEN MIT UNS. WIE SIEHT EINE IDEALE AUFBEWAHRUNGSLÖSUNG AUS? HERZLICHE GRÜSSE MAX RIJKEN

Du sitzt am Schreibtisch und starrst auf deinen Monitor; gegenüber telefoniert ein Kollege lautstark mit einem Kunden. Neben dir suchen Kollegen hektisch einen Platz, an dem sie heute arbeiten können. Dich zu konzentrieren, kostet dich viel Mühe. Erkennst du das Gefühl? „Das neue Arbeiten“,, darunter die offene Bürolandschaft und der flexible Arbeitsplatz, erfordern einige Lösungen, die die ursprüngliche Absicht wieder an erste Stelle rücken, nämlich die Zusammenarbeit unter den Arbeitnehmern zu erhöhen und sie zu Kreativität und Produktivität anzuspornen. All das bei gleichzeitiger Raumeinsparung. Dabei sind meiner Ansicht nach einige Punkte von zentraler Bedeutung: eine durchdachte und funktionale Verwendung von den Räumlichkeiten, die Erschaffung einer geräuschärmeren Arbeitsumgebung, indem man gut über Akustik und Sichtlinien nachdenkt, sowie die Stimulans der Mitarbeiter zum Teilen von Wissen und zu kreativer Freiheit.

Mein Name ist Max Rijken und im nächsten Jahr beende ich mein Studium an der Technischen Universität Delft, Fakultät Industriedesign. Mein Master ‚Design for Interaction‘ geht tiefer auf die Veränderung ein, die im Industriedesign stattfindet. Im Entwurfsprozess wird es immer wichtiger, die Nutzer besser zu verstehen, insbesondere, wie die Wechselwirkung zwischen Produkt oder Dienstleistung und Benutzer ist. Vor einiger Zeit habe ich eine qualitative Studie in Großraumbüros bei drei großen Firmen in verschiedenen Sektoren durchgeführt. Dabei habe ich verschiedene Schwachstellen, aber auch Chancen entdeckt. Diese Einsichten stammen von den Arbeitnehmern selbst und sie halfen mir beim Entwurf meiner Einsendung für den Designwettbewerb Shaping the Office von Bruynzeel Storage Systems.

Meine Idee für eine moderne Büroeinrichtung lässt sich am besten mit einem wohlschmeckenden, gut gewürzten Gericht vergleichen. Wie jedes Gericht hat auch ein Büro Basiszutaten: Schreibtische, Stühle und Computer. Es ist Aufgabe des Designers, dafür zu sorgen, dass sowohl die Basis als auch die Gewürze und die Wechselwirkung zwischen den beiden den Geschmack des Arbeitnehmers treffen.

“Eine moderne Büroeinrichtung lässt sich am besten mit einem wohlschmeckenden, gut gewürzten Gericht vergleichen”

Mit Gewürzen meine ich die Elemente, die in einem Büro die Hauptrolle spielen und die dem Unternehmen seinen eigenen Charakter verleihen: Zum Beispiel könnte eine Firma, die mit vielen physischen Dokumenten arbeitet, als Gewürz ein besonderes Lagersystem wählen, während sich ein kreatives Büro für einen ungezwungenen Ort entscheiden könnte, an dem man frei Brainstorming kann. Aufgabe des Küchenchefs, also des Designers, ist es, dafür zu sorgen, dass die verschiedenen Zutaten eine stimmige Komposition ergeben und sich die Elemente nicht gegenseitig behindern.

Das Designstudio KNOL aus Eindhoven testete in 2014, in welcher Umgebung Menschen am längsten produktiv Arbeiten können. Dies taten sie mit dem Projekt „Out of Office“. Man begann mit einem informellen, sehr freien Arbeitsplatz und verwandelte diesen innerhalb vier Wochen in eine graue Bürolandschaft. Dabei wurde beobachtet, wie Menschen darauf reagierten. Die Schlussfolgerung war, dass man sich in einem freien Raum nicht heimig fühlt und in einem streng eingerichteten Raum produktiver arbeitet. Irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Extremen befindet sich ein Punkt, an dem sich die Mitarbeiter am wohlsten fühlen.

Für mich war die Schlussforderung aus diesem Test, dass die ‚perfekte‘ Arbeitsumgebung so aussieht, dass dem Arbeitnehmer eine Struktur geboten und die Ablenkung von außen beschränkt werden muss, dass Arbeitnehmer aber auch Veränderung brauchen und selbst auf ihre Arbeitsumgebung Einfluss nehmen wollen.

Um auf die öffentliche Meinung über die heutigen Büroschränke zurückzukommen, wage ich zu behaupten, dass diese nicht sehr spannend sind. Das ist nicht schlimm, aber sie sind kein Gewürz. Ich möchte das gern anders sehen: Wenn man eine Aufbewahrungslösung nämlich sowohl von einem praktischen als auch einem abstrakten Standpunkt aus betrachtet, dann bietet sie viel Perspektive. Ein Lagerort für physische Dokumente ist ein Ort, an dem wichtige Informationen gesammelt werden und wo man Meilensteine des Betriebs wiederfinden kann. Arbeitnehmer kommen hierher, um Informationen zu erhalten, damit neue Ideen und Erfolg entstehen können. Die Kombination aus diesen neuen Einsichten, meiner Vision und den aus meiner Studie gewonnenen Erkenntnissen führte zu meinem Entwurf, dem WorkScape. Die Kombination dieses Lagersystems mit der Freiheit zu arbeiten, wie es der Arbeitnehmer selbst möchte, kann zu einem Ort im Büro führen, an dem das Lagersystem als Ort im Mittelpunkt steht, an dem man Informationen sammelt und der Entstehung neuer Ideen Freiraum lässt. Dass der aktuelle Trend vor allem auf die Digitalisierung ausgerichtet ist, hat hierauf keinen Einfluss; meiner Meinung nach bleibt immer das Bedürfnis nach einem physischen Lager, Begegnungsplätzen und Besprechungszimmern.

Die Einrichtung eines zeitgemäßen Büros muss eine Balance zwischen den Basiszutaten, der Struktur, die die Arbeitnehmer brauchen, und den Gewürzen haben. Schaut man sich die Komposition dieser Elemente im Hinblick auf einander an, lassen sich bestimmte Engpässe im Büro vermeiden. Zeigen Sie deutlich, wo die Trennlinie zwischen den Gebieten verläuft, in denen Produktivität den Vorrang hat, und wo Kreativität und Entspannungsraum geboten werden. So schaffen Sie eine funktionale und geräuschärmere Arbeitsumgebung, mit Platz zum Wissensaustauch und Stimulation der Kreativität. Bringt man mehrere Funktionen zusammen, lässt sich die Quadratmeterzahl reduzieren und die Zahl unbesetzter Schreibtische wird ebenfalls begrenzt.