DER GENTER BÜCHERTURM, BELGIEN

Von genter bücherturm zum neuen depot
Drei Millionen Bücher und andere Gegenstände wurden vom Bücherturm zum neuen Depot in der Universitätsbibliothek von Gent gebracht. Dort installierte Bruynzeel Bücherregale mit in etwa 38Km Regalfläche.

Der Kollektionsverwalter, Herr Hendrik Defoort, ist deutlich stolz auf das neue Depot. Er zeigt den Besuchern die unendlichen Reihen Bücher und Zeitschriften die sich auf den vier Etagen des Gebäudes befinden.

„Wir haben alles nach Größe sortiert“, erzählt er. „Dadurch haben wir die verfügbare Fläche optimal genutzt und wird kein Platz vergeudet. Wir nutzen ein Kodierungssystem womit wir alles schnell finden können, obwohl manche Bücher die zusammen gehören auch schon mal weit auseinander stehen weil Sie eine andere Größe haben “.

Drei Jahre haben die Vorbereitungen für den Umzug gedauert. Schon alleine das aussortieren, reinigen und einpacken der Bücher kostete viel Zeit und Nerven. Sieben Personen haben sich intensiv damit beschäftigt. Aber weil alles im Vorfeld so gut vorbereitet wurde, war der eigentliche Umzug innerhalb weniger Monate erledigt.

Ein monumentaler Turm
Der 64Meter hohe Bücherturm ist wohlbekannt in Gent. Es ist ein Meilenstein der Architektur gefüllt mit Büchern. In 1939 wurde dieser Turm nach einem Entwurf von Henry van de Velde errichtet. Der Bau, der seit 1992 unter Denkmalschutz steht, ist schlicht und ohne Dekors. Lediglich die vertikalen „Fensterschlitze“ können als sehr zurückgenommener Bauschmuck angesehen werden. Das Funktionale beherrscht die Form – das ist das ins Auge springende Credo.

Lange Zeit wurde das Gebäude nicht als Denkmal beachtet. Es wurde intensiv genutzt und vernachlässigt. Aber inzwischen ist der Wert erkannt und die Renovierung im vollen Gange. Erwartet wird, dass die Arbeiter in 2018 fertig sein werden.

Im Bücherturm wurde ein Großteil der historischen Büchersammlung der Universität Gent gelagert. Insgesammt befanden sich dort 40Kilometer wissenschaftliche Bücher, Zeitschriften und weitere Gegenstände. Bevor man anfangen konnte mit der Renovierung, musste die Sammlung erst aussortiert und umgezogen werden. Im neuen Depot befinden sich jetzt noch etwa 32Kilometer Bücher und andere Gegenstände.

Vier Etagen – 6 Ebenen
Der Neubau der Bibliothek befindet sich auf vier Etagen unter der Erdoberfläche. Auf drei Etagen (-2 bis -4) gibt es jeweils 1.000m Fläche für die Bibliothek und auf einer Etage (-1) befindet sich ein technischer Raum.

Die Etagen -3 und -4 sind mit zweigeschossigen Regalsystemen ausgestattet. So konnte innerhalb einer Etage auf zwei Ebenen Stauraum realisiert werden.

Auf der Etage -2 sind die Bücherregale ausgestattet mit Handantrieb. Auf den Etagen -3 und -4 ist die Bedienung elektrisch. Bei den zweigeschossigen Regalsystemen sorgen Sensoren dafür, dass die Anlage stoppt wenn jemand in der Anlage steht und jemand anders einen Gang öffnen möchte.

Für die Einrichtung dieser Bibliothek wurde eine europäische Ausschreibung organisiert die Bruynzeel gewann. „Eine gutes Ergebnis“, findet Kollektionsverwalter Defoot, „wir haben deutlich gemerkt das Bruynzeel Erfahrung mit solchen großen Projekten hat. Das hat sicher zum positiven Ablauf beigetragen“.

Mit einem praktischen Computerprogramm berechnete Bruynzeel die optimale Einteilung der Depots. Der Raum und die optimale Fachbodenhöhen wurden berücksichtigt und es wurde berechnet das 14 verschiedene Formate und mehr als 40.000 Regale benötigt werden. „Wir konnten größtenteils mit Standardgrößen arbeiten, aber trotzdem wurde noch etwa 15% der Einrichtung Maßgefertigt“, erzählt Defoort. „Das Depot ist sehr kompakt eingerichtet. Es wurde viel gemessen und geschoben aber jetzt ist es völlig ausgelastet“.

Der Bedarf der Fakultäten
Trotz effizienter Flächennutzung gibt es kaum noch Möglichkeiten im neuen Depot weitere Kollektionen unter zu bringen. Durch die zunehmende Digitalisierung besteht jedoch weiterhin Bedarf an Platz um neues auf zu bewahren. Darum wird der Bücherturm nach der Renovierung wieder seine Aufgabe als Bücherdepot übernehmen. Verschiedene Fakultäten werden dort ihre Kollektionen aufbewahren.

Verhandeln gehört dazu
„Bruynzeel ist eine relativ große Firma mit vielen Abteilungen und Ebenen. Dort gilt: Absprache ist Absprache. Im Prinzip ist das eine gute Sache, aber manchmal hätte ich mir ein wenig mehr Flexibilität gewünscht. Es war nicht immer einfach Wünsche zu realiseren die nicht im uhrsprünglich vereinbarten Plan enthalten waren“. Trotzdem ist Hendrik Defoort zufrienden und freut sich, dass die Bücher gut aufbewahrt sind.